Es existiert heutzutage quasi keine Marke und kein Unternehmen mehr, die in ihren Leitbildern das Thema Nachhaltigkeit unberücksichtigt lassen. Aber was bedeutet das für die Planung und Umsetzung von Messen und Events? Welche Instrumente und Konzepte machen Sinn? Und wie können Markenerlebnisse ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltig gestaltet werden? Diese und andere Fragen beantworten die Experten Jörn Busch und Leif-Erik Wilhelm von satis&fy im NEXTLIVE.TV Interview mit Sebastina Messerschmidt.

Foto: Jörn Busch, Managing Partner bei der satis&fy AG zu Gast im NEXTLIVE-Interivew beim #OMR23.
800 Speaker:innen, 1.000 Aussteller:innen und über 70.000 Besucher:innen, darunter viele Top-Entscheider:innen machten die #OMR23 wiederum zum dem Hotspot der Marketing- und Digitalwirtschaft. NEXTLIVE ist als Botschafter der Veranstaltungswirtschaft angetreten und sprach mit zahlreichen Top-Entscheider:innen von Marken und Unternehmen sowie mit führenden Vertreter:innen der Veranstaltungswirtschaft, denn das OMR Festival war der finale Startschuss für das NEXTLIVE.FESTIVAL am 21.11.2023 im RMCC Wiesbaden.

Abbildung: Nachhaltigkeit - eines der drei Kernthemen beimim NEXTLIVE.FESTIVAL in Wiesbaden.
Die satis&fy AG zählt zu den führenden Suppliern für 3D Marketing und die technische Umsetzung von Veranstaltungskonzepten. Wenn die Band PUR ‚Zwischen den Welten‘ tourt, die IG Metall ihren 24. Gewerkschaftstag veranstaltet oder der RTL-Dauerbrenner Let’s Dance seine Live-Tour umsetzt, dann sorgen die Teams von satis&fy dafür, dass alle technischen Prozesse reibungslos verlaufen. Marken, wie Dyson, Philips, Siemens oder Borgward vertrauen seit genau drei Jahrzehnten auf die Kompetenz von satis&fy.
Auf dem #OMR23 haben wir mit Jörn Busch und Leif-Erik Wilhelm das Thema ‚Nachhaltigkeit und Events‘ unter die Lupe genommen. NEXTLIVE.TV Moderator Sebastian Messerschmidt im Gespräch mit den zwei Event-Experten: „Der Begriff der Nachhaltigkeit ist vielerorts auch zum Buzz Word geworden. Dennoch wird er in unserer Gesellschaft immer wichtiger. Das zieht sich durch nahezu alle Lebensbereiche und spiegelt sich am Ende auch in Wirtschaft und Industrie wider. Nun habt ihr mir im Vorgespräch gesagt, dass die Veranstaltungswirtschaft – die sich schwerpunktmäßig mit Live-Kommunikation und Experience-Marketing befasst – ein Vorbild in Sachen Nachhaltigkeit ist. Warum?“

Foto: satis&fy in einer Produktion Marke Ford für die D.A.C.H. Region in der köelnmesse.
Jörn Busch
Das Thema Nachhaltigkeit ist nicht erst seit der Wärmepumpen-Diskussion entfacht, es spielt seit vielen Jahren eine erhebliche Rolle in unserer Gesellschaft. Und die Veranstaltungswirtschaft ist in Teilen schon sehr lange nachhaltig, nämlich dort, wo es um die Vermietung von Equipment geht, dass immer wieder eingesetzt werden kann.
Leif Erik Wilhelm ergänzt
Wir zwei brennen schon sehr lange für dieses Thema. Übrigens nicht nur ökologisch, sondern euch ökonomisch. Denn hohe Kosten beim Invest müssen sich durch einen langfristigen Einsatz des Equipments amortisieren. Und selbst wenn wir es irgendwann ersetzen, ist es auf dem Second Hand Markt sehr gefragt. Nachhaltigkeit besteht eben auch darin, gewissen Produkte immer wieder zu verwenden.
Sebastian Messerschmidt
Da bin ich völlig bei dir Leif. Jetzt seid ihr bei satis&fy ja nicht nur technische Supplier, sondern kümmert euch auch um die Inszenierung. Gilt das Prinzip der Nachhaltigkeit auch dort?
Leif Erik Wilhelm
Ja, es gibt gerade im szenischen Bereich – also dort, wo es um Bühnenbau, Messebau und Raum-in-Raum-Lösungen geht, einen großen Bedarf an Materialien, die für einen einzigen Einsatz benötigt werden. Im Hinblick auf die so wichtige Nachhaltigkeit war das lange Zeit eine Schwachstelle der Veranstaltungswirtschaft. Viele Materialien wurden nach einmaligem Einsatz entsorgt. In den letzten Jahren haben wir hier einen Wandel gesehen. So wurden zum Beispiel viele modulare Elemente entwickelt. Das bedeutet, das Grundgerüst ist immer das Gleiche, nur die Oberfläche ändert sich.

Foto: Jörn Busch im NEXTLIVE.TV Interivew beim #OMR23 mit Sebastian Messerschmidt.
Jörn Busch ergänzt
Und darüber hinaus wurde die Beratung optimiert. Machen wir das mal an einem Beispiel fest: Ein Designer denkt sich eine Messewand aus, die 2,74 m hoch sein soll. Früher hat man genau diese Wand mit genau diesem Maß gebaut und nach der Veranstaltung weggeworfen. Das läuft heute ganz anders. Wir arbeiten heute mit standardisierten Modulen und beraten Veranstaltungsplaner in einem solchen Fall mit 2,50 m oder drei Metern zu bauen. Sollte dies nicht möglich sein, produzieren wir ein custom-made Element und setzen es auf die Standardmodule auf. Das spart enorm an Ressourcen.
Sebastian Messerschmidt
Wie sieht es mit den Materialien aus? Achtet ihr beim Bezug der Materialien auf Nachhaltigkeit?
Leif Erik Wilhelm
Ja natürlich, das ist uns enorm wichtig. Nahezu alle eingesetzten Materialien sind inzwischen nachhaltig. Fast alles wird über ein jeweiliges Kreislaufsystem genutzt. Nehmen wir beispielsweise die Stoffe, die wir für Bühnenabhängungen benötigen: die werden aus Bio-Baumwolle hergestellt und sie kommen als Mietartikel zum Einsatz. Das bedeutet, sie haben eine maximale Lebensdauer. Wenn sie aufgrund der Optik oder ihrer Beschaffenheit nicht mehr einsetzbar sind, gehen sie zurück an den Hersteller. Dort werden sie für die Produktion anderer Produkte eingesetzt. Und so verfahren wir ebenfalls mit Produkten, wie Stahl, Aluminium, Kupfer, verschiedenste Kunststoffe, Glas und Platinen. Entweder sie unterliegen der Kreislaufwirtschaft, oder sie bekommen bei der Rücknahme durch den Hersteller oder über Verwertungsunternehmen ein weiteres Leben.
Sebastian Messerschmidt
Das klingt, als hätte sich in der Veranstaltungswirtschaft wirklich viel getan. Aber gibt nicht auch Produkte oder Werkstoffe, mit denen das nicht so einfach oder auch gar nicht möglich ist?

Foto: Nahezu alle von satis&fy eingesetzten Materialien sind inzwischen nachhaltig.
Leif Erik Wilhelm
Ja, das gilt für Holz natürlich nur bedingt. Aber auch beim Holz achten wir darauf, dass nur FSC zertifiziertes Holz genutzt wird. also Holz aus kontrolliertem Anbau.
Sebastian Messerschmidt
Jörn, das klingt für mich so weit schon mal sehr gut. Aber ich kann mir vorstellen, dass dieser Wandel hin zur Nachhaltigkeit schon auch ein Prozess ist, der nicht immer und über so leicht von statten geht. Wo siehst du die Herausforderungen?
Jörn Busch
Tatsächlich gibt es für einen großen Teil einer Veranstaltung nachhaltige Lösungen. Auf dem Weg zu möglichst C02-neutralen Events gibt es allerdings noch die eine oder andere Herausforderung. Zum einen haben wir es mit einer fehlenden Vergleichbarkeit im Markt zu tun. Und das war uns bei satis&fy immer ein Dorn im Auge. Schon vor fast 20 Jahren, haben wir uns Gedanken dazu gemacht, was unser Beitrag sein kann und was wir zurückgeben können, denn auch damals wurde in der Industrie schon über Nachhaltigkeit nachgedacht. Und wir sind heute sehr froh, dass dieses Defizit der fehlenden Vergleichbarkeit nun nicht mehr gegeben ist.
Sebastian Messerschmidt
Wie sieht denn die Lösung aus?
Leif Erik Wilhelm
Die Lösung für dieses Problem ist die EMAS Zertifizierung. EMAS steht dabei für das Umweltmanagement-Gütesiegel der Europäischen Union.
Video: Leif-Erik Wilhelm und Jörn Busch von der satis&fy AG im Exklusiv-Interivew beim NEXTLIVE.
Sebastian Messerschmidt
Was hat es damit auf sich Jörn?
Jörn Busch
EMAS ist die Abkürzung für ‚Eco-Management and Audit Scheme‘. Übersetzt ist das ein ‚Gemeinschaftssystem für Umweltmanagement und Umweltbetriebsprüfung‘. EMAS zielt auf Unternehmen und sonstige Organisationen, die Energie- und Materialeffizienz systematisch verbessern, schädliche Umweltwirkungen und umweltbezogene Risiken reduzieren sowie ihre Rechtssicherheit erhöhen wollen. Der Clou bei der EMAS-Zertifizierung ist allerdings das jährliche Audit. Man kann diese Auditierung also nicht einfach mal so einmal erlangen und hat sie dann dauerhaft wie bei vielen anderen Umweltsiegeln, sondern es kommt jedes Jahr ein unabhängiger Prüfer und überprüft, ob sich die zertifizierten Unternehmen an alle Vorgaben halten.
Sebastian Messerschmidt
Wo genau hebt sich die EMAS-Zertifizierung ab?
Leif Erik Wilhelm
Du musst deine Nachhaltigkeits-Prozesse als Unternehmen jedes Jahr verbessern, eine Stagnation reicht nicht, um das Zertifikat erneut zu erlangen. Machen wir das an einem Beispiel fest: In diesem Jahr du bereits fünf von zehn Firmenwagen elektrifiziert. Dann müssen es im nächsten müssen es mindestens sechs Fahrzeuge sein. Die EU hat dabei bewusst die Eingangsschwelle niedrig gehalten. So kann niemand behaupten, dass die Vorgaben nicht zu schaffen seien. Aber: du musst deine Prozesse kontinuierlich optimieren und dabei immer nachhaltiger werden. So entwickeln sich alle teilnehmenden Unternehmen in die gleiche Richtung.

Foto: satis&fy Produktion für die Comsumer Experience bei der ACG-Kollektion Kampagne von NIKE
Sebastian Messerschmidt
Das klingt alles sehr logisch und richtig. Jörn, wo liegt die zweite Herausforderung?
Jörn Busch
Die zweite Herausforderung ist in meiner Wahrnehmung die Schwierigere: sie liegt im Change-Management, also in der Verhaltensveränderung. Wir alle müssen über Jahrzehnte Erlerntes neu denken. Und wenn ich von ‚wir alle‘ spreche, meine ich dabei auch die Veranstaltungsplaner. Die Customer Satisfaction steht bei uns an erster Stelle – das liegt ja schon in unserem Brand verankert: satis&fy steht für State-of-the-Art Equipment und modernste Transportlogistik und multimediale Markenerlebnisse in der Live-Kommunikation. Und na klar, wenn ein Veranstaltungsplaner sein Event kurz vor knapp noch komplett um designen möchte, dann erledigen wir das – ganz gleich ob die Veranstaltung in Stuttgart oder Sao Paulo stattfindet.
Allerdings sind derartig kurzfristige Prozesse und ein Maximum an Flexibilität die natürlichen Feinde der Nachhaltigkeit. Denn dann wird bei Materialien nicht mehr auf Umweltbelange geschaut, sondern nur noch auf Verfügbarkeit in schnellem Zugriff. Dann werden Kuriere mit Einzeltransporten bemüht, oft per Flugzeug, je nachdem, wo die Veranstaltung stattfindet.
Leif Erik Wilhelm ergänzt
Wir haben auch schon mal die vergessene Muttermilch einer Geschäftsführerin CEO quer durch die USA transportieren müssen, aber nachhaltig war das bestimmt nicht. Und eben das wollen und müssen wir künftig vermeiden. Dazu sollten wir im Bewusstsein von Veranstaltungsplanern verankern, dass wir für die Planung und Umsetzung Projekten rund um Live-Kommunikation und Experience-Marketing mit längeren Vorlaufzeiten arbeiten.

Foto: Dr. Frank Wendzinski (rechts) übergibt Leif-Erik Wilhelm und Nico Ubenauf die EMAS Urkunde.
Sebastian Messerschmidt
Der Schlüssel zur Nachhaltigkeit liegt also an der Stelle in der Planung?
Leif Erik Wilhelm
Ja klar, denn hat der Event-Supplier genügend Zeit, können unter anderem Transporte eingespart oder gar kombiniert werden. Wir können modulare System einsetzen, Lichtdesigns anpassen und so weiter. Das Ding ist: eben diese Zeit für die nachhaltige Planung ist kulturell aktuell noch der Knackpunkt. Denn in Zeiten von Amazon same day delivery hat sich die Gesellschaft daran gewöhnt alles extrem kurzfristig bis an die Haustür geliefert zu bekommen. Und wir haben ja auch selbst unseren Anteil dazu beigetragen, dass wir das ermöglicht haben.
Sebastian Messerschmidt
Cool, dass ihr da auch sehr selbstkritisch seid Jörn.
Jörn Busch
Naja, nur so bekommst du Veränderung hin, denn diese Veränderungen beginnen in unserem Köpfen. Ergo: jetzt gehen wir auf unsere Kunden zu, sägen an einem unserer eigenen unserer USPs und sagen Veranstaltungsplanern: Hey, ihr wollt eine nachhaltige Veranstaltung? Dann entscheidet euch sechs Wochen vorher, welches Lichtdesign ihr wollt – um mal bei dem vorhin genannten Beispiel zu bleiben. Und natürlich fällt es vielen Menschen einfach sehr schwer, da umzudenken, weil es eben gelebte Kultur in unserem Business war und vielerorts noch ist. Aber Prozesse bestehen eben aus einzelnen Schritten und wir sind da echt auf einem guten Weg.
Sebastian Messerschmidt
Wie wirkt sich die Vorlaufzeit auf die Kosten für ein Event aus?

Foto: Die RTL Roadshow der Sendung Let's Dance - ein Produktion der satis&fy AG.
Leif Erik Wilhelm
Die frühe Entscheidung und damit anheim gehende Verlängerung der Vorlaufzeit von Events sorgt nicht nur für ein entscheidendes Plus an Nachhaltigkeit, es bringt Veranstaltungsplanern auch 5-10 % an Kostenersparnis. Denn die Kosten, die wir an der Stelle einsparen, geben wir gern an unsere Kunden weiter. So wollen wir für einen extra großen Motivationsschub sorgen.
Sebastian Messerschmidt
Lass uns doch mal über einen anderen Aspekt von Events reden, die Mobilität. Unsere Freunde vom OMR werden mit der Redaktion ihrer Plattform Future Moves beim NEXTLIVE.FESTIVAL dabei sein. Dabei wird es um das Thema ‚New Mobility und Events gehen‘.
Wie seht ihr das Thema Mobilität im Rahmen von nachhaltigen Events?
Jörn Busch
Da wünsche ich mir von Veranstaltungsplanenden, dass sie sich verstärkt über das Mobilitätskonzept Ihrer Veranstaltung Gedanken machen. Man muss wissen, dass die Mobilitätskriterien einer Veranstaltung der absolut größte Hebel für die Nachhaltigkeit sind. Ein geringerer Teil liegt dabei in der Mobilität der Supplier, wie Technik, Möbel und Catering. Der Löwenanteil liegt in der Mobilität der Gäste. Eine Großveranstaltung – nehmen wir mal eine Messe, ein Kongress oder eine Jahreshauptversammlung mit beispielsweise eintausend Teilnehmenden, sollte dafür sorgen, dass den Gästen Tickts für die Anreise mit der Bahn zur Verfügung stehen und nicht jeder individuell mit dem Auto anreist.

Foto: satis&fy in einer Produktion für die Kampagne NIKE Air Max Pulse für die Marke NIKE.
Sebastian Messerschmidt
Letzte Frage: wir sind hier beim #OMR23 – hier triffst sich die Digital- und Tech-Szene. In der Pandemie haben wir viele digitale und hybride Eventformate gesehen. Wäre es nicht viel nachhaltiger, Events nur noch digital umzusetzen?
Leif Erik Wilhelm
Nein, das ist ein Trugschluss. Auch digitale Events brauchen Ressourcen. Und davon abgesehen: Menschen sind soziale Wesen, die multisensorisch wahrnehmen. Das macht Live-Events unersetzbar. Digital kann Live verstärken, aber eben nicht ersetzen, gerade wenn es um die ökonomische Nachhaltigkeit geht.
Sebastian Messerschmidt
Das waren zwei Experten für 3D Marketing und die technische Umsetzung von Veranstaltungskonzepten. Jörn und Leif von satis&fy – wir sehen uns beim NEXTLIVE.FESTIVAL am 21. November in Wiesbaden wieder und steigen dann nochmal tiefer ins Thema Nachhaltigkeit ein.
Jörn Busch
Na klar, wir freuen uns schon drauf.

Foto: Die Teams der satis&fy AG im Einsatz beim Lufthanasa Allegris Launch-Event 2023.
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