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Die Herausforderungen der Veranstaltungstechnik bei Hauptversammlungen

Aktionärsversammlungen unterliegen besonderen rechtlichen und technischen Anforderungen. In Bezug auf diese technischen Aspekte sorgen Dienstleister mit umfassender Erfahrung im Kongressbereich und bei der Planung und Durchführung von Hauptversammlungen dafür, dass ein sicherer und störungsfreier Ablauf gewährleistet ist.

Das profunde Know-how eines Technik-Anbieters trägt also zum Gelingen von Aktionärstreffen bei – und sorgt gleichzeitig dafür, das Corporate Events dieser Art eine Visitenkarte der Aktiengesellschaft sind: Denn es geht bei der Realisierung um weit mehr als nur simple Tonübertragung, Bühnen- und Saallicht und Bewegtbild als inszenatorisches Highlight.

Stephan Hartmann, Geschäftsführer bei Neumann&Müller Veranstaltungstechnik und zudem verantwortlich für Sales und Business Development am Standort Stuttgart, über aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen für die Veranstaltungstechnik bei Hauptversammlungen.

Ortungsrichtige Beschallung und Audiotracking

Stimmen und Töne verorten, bewegte Bilder erfassen und Charts lesen: Dem aktuellen Geschehen auf einer Bühne zu folgen, ist für das Publikum anstrengende Arbeit und erfordert viel Aufmerksamkeit – denn unsere Sinne müssen gleichzeitig zahlreiche Informationen verarbeiten.

Mono- und Stereowiedergabe bei einer klassischen Bühne/Publikum-Situation

Schall wird hier von vorne, links und rechts erzeugt. Für den Großteil des Publikums ergibt sich die akustische Ortung meist zu den Lautsprechern und nicht zu den tatsächlichen Quellen. Nur für einen kleinen Teil der Zuhörer im sogenannten „sweet spot“ entstehen Phantomschallquellen zwischen den Lautsprechern. Das führt zu einem stark positionsabhängigen und somit sehr ungleichmäßigen Höreindruck.

Bei einer HV ist es juristisch problematisch, wenn ein Zuhörer nicht alles verstehen kann. Daher habe ich mich mit objektbezogener Beschallung beschäftigt, die insbesondere bei Tagungen und Konferenzen, einen echten Mehrwert bietet: Das Publikum kann den Redner auf der Bühne einer exakten Position zuordnen, was es ihm leichter macht, dem Wortbeitrag zu folgen.

Im Rahmen einer Aktionärsversammlung in Stuttgart haben wir ein System zur Verfolgung von Klangquellen in der Praxis ausführlich getestet – ergänzend zu der technischen Lösung, die wir für den gleichfalls sicheren Ablauf der Veranstaltung konzipierten. In der Planungsphase kommt hierfür eine spezielle Software („ArrayCalc“) zum Einsatz, um die Lautsprecher exakt wie vorgegeben zu platzieren und später via digitaler Schnittstelle („Dante“-Netzwerkprotokoll) in das bestehende Mono-System zu integrieren. Die Höreindrücke waren überaus angenehm und die Ortung der Redner auf der Bühne funktionierte sehr gut. Interessanter Fakt: Bei den durchgeführten Sprachverständlichkeitsmessungen ergaben sich keine Unterschiede zum Mono Mix – gehört war der positive Eindruck einer Beschallung mit exakter Ortungsmöglichkeit allerdings ganz klar positiv zu unterscheiden!

Gleichzeitig konnte durch Erhöhung der maximal erzielbaren Lautstärke die Performance der Beschallungsanlage und dadurch auch die Linearität des Systems nochmals gesteigert werden, da pro Quelle weniger Energie über die Lautsprecher in den Raum abgegeben werden muss, um die Ortung zu erzielen. Weniger Störschall regt den Raum an, was für ein harmonisches Zuhören wichtig ist.

Objektbezogene Beschallung

Das Erzeugen einer echten Audio-Realität durch eine objektbezogene Beschallung bedeutet, dass alle Zuhörer selbst komplexen Inhalten entspannt folgen können. Sehen und Hören ist nicht mehr entkoppelt, selbst bei geringerem Pegel.

Der Zuhörer nimmt den Klang unabhängig von seiner Entfernung zu den Lautsprechern genauso wahr, wie er erzeugt wird und verortet die Klangquelle immer an derselben Stelle im Raum, selbst wenn er sich bewegt.

Auf dem Weg zu „Dolmetschen 4.0“

Hauptversammlungen sind zugleich mit einem hohen Aufwand durch die Mehrsprachigkeit der Redner des Unternehmens und seiner Aktionäre verbunden, daher sehe ich im Bereich „Simultandolmetschen“ eine weitere große Herausforderung: Simultandolmetschen wird seit Jahrzehnten über die direkte Präsenz der Dolmetscher am Ort des Geschehens möglich gemacht, wofür Kabinen und eine entsprechende Simultantechnik notwendig sind. Mit „Remote Simultaneous Interpreting“ (RSI) ist es möglich, Tagungen, Kongresse und sogar virtuell oder hybrid stattfindende Events ortsungebunden zu dolmetschen.

Technische Basis

RSI von N&M arbeitet plattformunabhängig, ist redundant aufgebaut und schafft Daten- sowie Cybersicherheit. Für die Übertragung gibt es eine eigene, professionelle Lösung mit „End-to-End“-kontrollierter, dedizierter Serverstruktur. Der Empfang ist über UHF oder Infrarot möglich. Auch Cloud-Anbindungen für eigene Mobilgeräte („bring your own device“, BYOD) sind ebenso nutzbar, wie die Integration der gesamten Lösung in kundeneigene Meeting-Plattformen, so dass auch rein virtuelle Meetings möglich sind.

Der Dolmetscher reist nicht mehr zum Veranstaltungsort, sondern zu einem Hub – einer Art Studio für „Dolmetschen 4.0“. Das ist besonders interessant, weil mit der RSI-Lösung mehr als nur Reise- und Übernachtungskosten gespart werden können: Remote-Hubs lassen sich kurzfristig und flexibel an die Bedürfnisse der Veranstaltung anpassen, womit – da das System einfach skalierbar ist – automatisch weitere Ressourcen eingespart werden können.

Wir haben nach einer Testphase Mitte 2019 einen ersten permanenten N&M-RSI-Hub in Neuhausen auf den Fildern gestartet – der ist unweit des Stuttgarter Flughafens und mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Alternativ zu so einem stationären Hub sind temporäre Hubs direkt beim Kunden denkbar. Remote-Hubs dieser Art sind mit neuester Simultantechnik nach DIN/ISO-Normen ausgestattet und bieten beste Arbeitsbedingungen für professionelles Konferenzdolmetschen: Die Kabinen sind großzügig und ergonomisch eingerichtet und werden von kompetenten Technikern vor Ort betreut.

Die Vorteile: Am Veranstaltungsort werden keine Dolmetscherkabinen mehr benötigt. Aus Sicht des Veranstalters entfallen damit zuvorderst ein Platzproblem und gleichzeitig das oftmals aufwändige Verkleiden der Kabinen; zudem lassen sich Auf- und Abbauzeiten sowie Personal- und Materialeinsatz reduzieren.

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